Titelreihe: „Veränderungen in der Arbeitswelt“


Heute berichten wir in unserer Titel-Reihe aus dem Bereich der Kindertagesstätten der Gemeinde Wabern. Die Gemeinde betreibt vier Einrichtungen, von den sich zwei in Wabern befinden, eine in Harle und eine in Falkenberg.

Aufgrund der allgemeinen Einschränkungen des Lockdowns bzgl. der Auswirkungen des Corona-Virus hatten zunächst auch die Kitas ihre Türen geschlossen. Lediglich der Personenkreis der Elternteile, die in systemrelevanten Bereichen arbeitet, durfte einen Antrag auf Notbetreuung ihres Kindes stellen. Alle anderen Kinder, deren Eltern in nicht systemrelevanten Beschäftigungen tätig sind, mussten zu Hause betreut werden.

Da Mama und Papa teilweise auch im Homeoffice in den eigenen vier Wänden tätig sind, ist das auch eine besondere Herausforderung. Beides im Einklang zu managen, seine eigene Arbeitsleistung zu erbringen und den Bedürfnissen der Kleinsten gerecht zu werden.

Vermutlich wird den aktuellen Meldungen zufolge eine baldige Rückkehr der Kinder zur Schule und den Kleinsten in ihre Kita-Einrichtungen wieder ermöglicht. Alles in gut dosierten Schritten, damit möglichst Infektionsketten nicht entstehen können.

Für die Durchführung ihrer Arbeit ist für die ErzieherInnen eine körperliche Nähe zu den Kindern normal. Beide Seiten schätzen die Nähe, damit sie ein gutes Miteinander haben. Wie aber umgehen mit Kindern im Alter von 1-6 Jahren, die die Aktualität und Brisanz des derzeitigen Miteinanders nicht oder nur im geringen Umfang verstehen können. Abstandsregeln, Hygienevorschriften, nur wenig Trubel und Spielkameraden in den sonst so belebten Räumlichkeiten?

Wir haben nachgefragt, wie geht es den Kindern und den Erzieherinnen, die sich diesen Herausforderungen stellen? Wie tun sie, was macht sie derzeit glücklich? Umtreibt sie die Sorge vor Ansteckung und was haben sie Kreatives entdecken können?

Kindergarten Harle

v. l.: Sabine Kruse, Piroschka Weßling (Dieses Bild wurde Anfang März aufgenommen.)

Von den plötzlichen Veränderungen im Kindergarten „Villa Kunterbunt“ berichtet uns Frau Sabine Kruse telefonisch. In den ersten zwei Wochen der Schließung waren in dem Kindergarten keine Kinder für die Notbetreuung angemeldet; die Erzieherinnen waren trotzdem vor Ort. Sie nutzten die Zeit zum Aufräumen und sie arbeiteten an ihrer Einrichtungs-Konzeption, die die pädagogische Grundlage ihres Arbeitens bildet.

Ein Kindergarten ohne Kinder; Frau Kruse beschrieb diese Situation als ein „komisches Gefühl“, die Kinder fehlten. Auch die Eltern und Kinder sind sehr betroffen, die Kinder sind traurig, nicht in den Kindergarten gehen zu können. Der Kindergarten versucht in dieser Zeit jedoch weiterhin einen guten Kontakt zu den Eltern und den Kindern zu halten. Zu Ostern konnten die Eltern und ihre Kinder Bastelmaterialien für ein Osterkörbchen abholen. Zudem verteilten die ErzieherInnen mit den zwei Kindern, die in der Notbetreuung sind, im Dorf zu Ostern persönliche Briefe, eine Kleinigkeit für die Kinder und ein „Regenbogenfensterbild“. Dafür klingelten sie bei den anderen Kindern, einfach um „Hallo“ zu sagen und eine Unterhaltung auf Abstand halten zu können. Die Kinder freuten sich sehr, ihre Freunde aus dem Kindergarten für einen kurzen Moment wiederzusehen. Frau Kruse sagte, dass sie es vor allem für die Schulkinder, die wahrscheinlich keinen richtigen Abschluss ihrer Kindergartenzeit werden haben können, sehr schade findet. Für die künftigen Schulkinder werden Kopien von Arbeitsinhalten an die Eltern weitergegeben, damit sie sich weiterhin auf den Übergang zur Schule vorbereiten können. Derzeit sind nur zwei Kinder im Harler Kindergarten. Die ErzieherInnen haben nun viel Zeit für diese Kinder und können sich intensiv mit ihnen beschäftigen.

Bei der Tagesgestaltung richten sie sich auch mal nach den Wünschen der Kinder und fragen sie, was sie gern machen möchten. Bei gutem Wetter wird sehr viel draußen gespielt. Zu den „Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen“ berichtete Frau Kruse mir, dass die Eltern nicht den Kindergarten betreten dürfen; sie geben ihr Kind vor der Tür ab.

                                         

 

Nach dem Ankommen waschen sich die Kinder erstmal gründlich die Hände. Die Abstandsregeln sind unmöglich in einem Kindergarten einzuhalten, jedoch wird versucht, darauf zu achten, dass die Kinder beim Spielen nicht „Gesicht an Gesicht“ agieren. Die ErzieherInnen selbst versuchen auch sich etwas von den Kindern zu distanzieren, aber wenn ein 3-jähriges Kind Nähe sucht, wird ihm diese auch gegeben. Frau Kruse hofft für die Zukunft auf weitere Lockerungen und dass wieder mehr Kinder in den Kindergarten kommen können.


Kindertagesstätte Falkenberg  

Erzieherinnen v. l.: Karin Rembiak, Manuela Hohmann-Brinken

 

Aus dem Kindergarten „Falkennest“ berichtete uns die Leiterin Frau Manuela Hohmann-Brinken telefonisch. Auch sie nutzten die Anfangszeit ohne Kinder für einen „Großputz“ der Tagesstätte. Derzeit befinden sich in Falkenberg 16 Kinder in der Notbetreuung. Die Aufteilung dazu erfolgt, dass sich jeweils 4 Kinder und eine Erzieherin in einem Raum befinden und spielen.

Der Kindergarten ist von 7-17 Uhr geöffnet, auch Mittagessen wird den Kindern zur Verfügung gestellt. Die „Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen“ sind folgende: Die Eltern geben die Kinder vor der Tür ab und eine Erzieherin begleitet das Kind zum Händewaschen und anschließend in die Gruppe. Alle Personen, die den Kindergarten betreten, müssen sich zuvor in einer Liste eintragen, damit Infektionsketten nachgewiesen werden können. Bei Symptomen wie Husten und Schnupfen müssen die Kinder grundsätzlich zu Hause bleiben.

 

Die Reinigungskraft desinfiziert die Oberflächen im Kindergarten täglich gründlich, tagsüber werden die Oberflächen zwischendurch von den ErzieherInnen gesäubert. In den Gruppen wurde zudem die Anzahl der Spielsachen reduziert. Die ErzieherInnen nutzen zur Zeit noch keinen Mundschutz im Kindergarten, Abstand zu halten, wird auch hier als „unmöglich“ beschrieben. „Wenn ein Kind Nähe sucht, wird diese ihm auch gegeben“, sagte Frau Hohmann-Brinken. Es wird versucht mit den Kindern viel nach draußen zu gehen, um dem Abstand beim Miteinander einigermaßen gerecht werden zu können. Draußen verschönern sie momentan den Kindergarten mit hübschen Blumen. Sie haben dafür eine „Blumen- und Pflanzenspende“ von einer Frau aus dem Dorf erhalten und sogar einen Gutschein für den Gärtnereibedarf.

Die ErzieherInnen gehen mit den Kindern oft in den Wald, mit entsprechender Kleidung auch mal bei Regenwetter. Zu den Kindern, die nicht in der Notbetreuung sind, wird auch Kontakt gehalten. Zu Ostern gab es für die Familien persönliche Wünsche der ErzieherInnen. Der Kindergarten hat zudem für die Familien ein Video aufgenommen, worüber sich alle sehr gefreut haben. „Auch für die Zukunft haben wir noch einige kreative Ideen“, berichtet Frau Hohmann-Brinken. „Kreativität und Flexibilität sind im Moment gefragt, es gibt keinen starren Dienstplan“, beschreibt sie. Sie ist sehr dankbar, dass der Kindergarten in allen Bereichen viel Unterstützung des Trägers erlangt und dieser immer ein „offenes Ohr“ hat, unabhängig der Fragenstellungen.


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