Boule-Bahn in Wabern


Die Initiative für den Bau einer Boule-Bahn ging vom Geschichts- und Kulturkreis Wabern aus, der mit der Anlage einen Treffpunkt für jung und alt schaffen möchte und mit dem Vorschlag in der Gemeinde auf offene Ohren stieß.

In den letzten beiden Wochen legte das Bauunternehmen Homburg Bau GmbH aus Wabern ein Spielfeld von vier Metern Breite und 15 Metern Länge an, was den internationalen Spielfeldmaßen entspricht. Ähnlich wie bei der Anlage von Tennisplätzen wurde zunächst Erde ausgehoben und dann der Untergrund mit Schottersteinen und Kalk-Sandsteinen aufgefüllt. Den Abschluss bildet eine wassergebundene Decke aus nass gewalztem, feinem Kalk-Sandsteinsplit. So entstand ein ebenes Spielfeld mit natürlicher Drainage, das auch begehbar ist. Sollen hinter dem Rathaus Festivitäten veranstaltet werden, kann das Spielfeld abgedeckt und wie die Wiese für den Aufbau von beispielsweise Tischen und Bänken genutzt werden.

Die Gesamtkosten für den Bau der Bahn inklusive zweier Bänke am Spielfeldrand betrugen 10 554 Euro und wurden zu 80 Prozent mit Hilfe von Fördergeld der Europäischen Union und des Landes Hessen über die Regionalentwicklung Schwalm-Aue finanziert, den Rest tragen der Verein und die Gemeinde.

Am Freitag, den 4. September lud der Verein nun für ein erstes Probespielen auf der fertig gestellten Bahn ein. Kugeln wurden gerollt, Abstände verglichen und Sieger bejubelt. Einige Besucher hatten sich Klappstühle mitgebracht und genossen ein Glas Sekt unter den Bäumen mit Blick auf das Spielfeld. „Ich bin begeistert, das Frankreich nach Wabern gekommen ist“, meinte Rita Schemenau aus Wabern. Sie habe Boulespieler schon in Südfrankreich gesehen und freue sich über die französische Nonchalance vor Ort. Auch Bürgermeister Steinmetz begrüßte die Anlage im Zentrum von Wabern. Die Boule-Bahn biete eine Möglichkeit für alle, sie könne sich zu einem Treffpunkt entwickeln und den Rathauspark beleben, sagte er. Für die Senioren sei die Boule-Bahn ideal, im Zentrum und fußläufig ohne Treppen erreichbar, meinten Britta Zarges und Hildegard Weizenburger vom Vorstand des Waberner Seniorenclubs. Sie könnten sich gut vorstellen, die Anlage auch vom Verein aus zu nutzen. „Für mich ist das eins der schönsten Projekte, die wir dieses Jahr gefördert haben“, sagte Sonja Pauly von der Regionalentwicklung Schwalm-Aue. Die Waberner Bahn sei eins von 18 Projekten, die in diesem Jahr über die Regionalentwicklung mit Fördergeld verwirklicht werden konnten. Manfred Uchtmann, Vorsitzender des Geschichts- und Kulturkreises Wabern, bedankte sich bei allen, die mit dazu beigetragen hatten, die Idee der Boule-Bahn in die Tat umzusetzen.

Im Rahmen der „Waberner Kultur-Nacht“ im Rathauspark am Samstag, den 12. September 2020 wird die Boule-Bahn offiziell eingeweiht.

Hintergrundkästen:

Boule-Spiel:

Mit Boule wird das gefühlvolle Werfen von Eisenkugeln auf einem Sandplatz bezeichnet. Bekannt als Nationalsport in Frankreich, wo es kaum ein Dorf ohne Boule-Platz gibt, erfreut es sich auch in anderen Ländern zunehmender Beliebtheit. Ob beim italienischen Boccia, beim britischen Bowls oder den französischen Varianten Pethanque oder Boule- grundsätzlich geht es darum, mit den eigenen Kugeln dichter an eine kleine Zielkugel zu werfen als der Gegner. Spielen kann jeder, die Spielregeln sind einfach und auch für Kinder leicht verständlich. Besondere Kraft ist nicht erforderlich, denn es geht nicht darum, wer am weitesten wirft. Die Ausrüstung ist nicht teuer und besteht pro Spieler aus zwei bis drei Kugeln aus Stahl, Kunststoff oder Holz. Daher eignet sich Boule als entspannende Freizeitbeschäftigung für alle, die gerne an der frischen Luft mit anderen zusammen spielen möchten.

Geschichts-und Kulturverein möchte Dorfmitte fördern

Der Geschichts- und Kulturverein Wabern freut sich auf eine rege Nutzung der Bahn. Für deren Standort bot sich die Grünanlage hinter dem Rathaus an, denn in Wabern fehlte bisher ein Dorfmittelpunkt, der für Geselligkeit genutzt werden könnte. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts spielte sich das Dorfgeschehen rund um den Kirchplatz der Evangelischen Kirche mit seinen anliegenden Geschäften (Bäcker, Metzger, Schreiner,  zwei Lebensmittelläden, Schmiede, Spengler und Schreibwaren) sowie der Dorfschule ab. Mit Ausbau der Eisenbahnlinie ab dem Jahr 1856 und der späteren Ausweisung von dezentralen Baugebieten verlagerte sich der Ortsmittelpunkt in den Bereich der Bahnhofsstraße. Durch die Ausweitung des überörtlichen Gewerbe- und Warenangebotes ab Mitte des 20. Jahrhunderts schlossen viele Geschäfte in der Bahnhofstraße. 1982 wurde das neue Rathaus in der Landgrafenstraße gebaut, das bis heute als Mittelpunkt des Ortes gesehen werden kann, denn im Umfeld der Landgrafenstraße haben sich die meisten Geschäfte sowie einige Gaststätten und eine Seniorenwohnanlage angesiedelt.

Den sich entwickelnden Mittelpunkt des Dorfes möchte der Geschichts- und Kulturkreis durch das Angebot der Boule-Bahn stärken, die allen zur Verfügung stehen soll. Für diesen Zweck spendete der Verein auch Spielkugeln, die während der Öffnungszeiten im Rathaus gegen Pfand ausgeliehen werden können.  

 

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